Wie du mit einem trauernden Menschen gut umgehst – Trauer

Wie du mit einem trauernden Menschen gut umgehst

Egal, wie sehr wir uns bemühen, es zu ignorieren, früher oder später wird es passieren.
Jemand, den oder die du sehr gerne magst, wird jemanden verlieren. Für immer. Das Gefühl, dass der verlassene Menschen dann erlebt, nennt sich Trauer. Und nur, wer es bereits einmal erlebt hat, kann es nachfühlen.

Wir stehen dann in den meisten Fällen sehr hilflos daneben und auch wenn wir selbst schon einmal das Gefühl der Trauer erlebt haben, hilft uns das nicht unbedingt. Denn die Endgültigkeit in diesem Gefühl ist so mächtig, dass wir uns zu Recht machtlos fühlen. Es gibt mit dem verlorenen Menschen kein Heute mehr und auch kein Morgen. Mitunter völlig aus dem Nichts, ohne die Möglichkeit, sich zu verabschieden. Dass das alles Wirklichkeit ist, muss zunächst verstanden werden. Dennoch muss der trauernde Mensch weiter funktionieren, so dass diese furchtbare Aufgabe des Annehmens meist erst einmal beiseite geschoben wird.





Mein Wunsch ist es, dir ein paar gute Tipps an die Hand zu geben, wie du einem trauernden Menschen gut tun kannst. Dazu gehören vor allem die Dinge, die du unter allen Umständen vermeiden solltest. Und mit denen fangen wir gleich an.

weinende Frau

Was du nicht tun solltest

“So langsam reicht es dann auch”*

Verzichte zu jedem Zeitpunkt darauf, dem trauernden Menschen zu erklären, was er fühlen und denken sollte. Bedenke immer: du siehst die Situation aus deiner sicheren Perspektive. Es liegt weder in deinem Ermessen, wann jemand “wieder fröhlicher”* sein sollte noch wann “es denn mal wieder gut sein müsste”*.
Trauer ist ein Prozess, der sehr unterschiedlich lang dauern kann. Mitunter begleitet dieses Gefühl uns den Rest unseres Lebens.
Wenn du glaubst, du hältst die Traurigkeit eines trauernden Menschen nicht aus, dann tue etwas, was dir selber gut tut. Aber verlange von der Person bitte nicht, dir zuliebe so zu tun, als sei alles in Ordnung.

Frau am Grab

“Es wird wieder gut”*

Natürlich soll man immer positiv in die Zukunft sehen. Aber leere Phrasen wie “es geht vorbei”* oder “alles wird wieder gut”* tun in so einer Situation nur weh. Sicher, der Schmerz wird weniger und es wird auch irgendwie wieder besser, aber sich daran zu gewöhnen, dass es vor allem anders wird, das dauert. Und es geht nicht schneller, wenn du drängelst.

“Es ist so wie es ist”*

Wenn die Trauer länger anhält, können viele nahe stehende Menschen ihre Irritation kaum zurückhalten. Das Härteste, was ich in diesem Zusammenhang selbst zu hören bekommen habe, war der Satz “so langsam musst du dich jetzt mal abfinden”* – drei Monate nach dem Suizid eines sehr nahen Freundes von mir und ohne dass ich es groß nach außen getragen habe. Auslöser war, dass ich nicht mit zu einem Sommerfest gehen mochte. Ich möchte dazu anmerken, dass ich mich auch heute, knapp zehn Jahre später keineswegs damit “abgefunden” habe. Sondern ich habe gelernt, damit zu leben.

Trauernde Menschen sind keine Trauerbegleiter für dich

Was mich immer wieder unglaublich genervt hat -sofern man in einer akuten Trauerphase überhaupt so etwas fühlen kann- war, dass mir die Leute immer von ihren eigenen Trauergeschichten erzählt haben. Als oben erwähnter Freund gestorben war, habe ich im Blumenladen um die Ecke bei ihm Blumen bestellt. Die Blumenfrau wusste schon alles und erzählte mir erst einmal haarklein, wie sich damals ihre eigene Mutter getötet hat.
Unsere Gesellschaft ist, das muss leider gesagt werden, inkompetent für Trauer. Da wird ignoriert und weggeschoben. Bis dann jemand anders trauert, dann hat man endlich eine Gelegenheit, zu erzählen. Weil man glaubt, da ist jemand, der einen versteht.
Nein! Bitte tut das nicht! Ihr wisst selbst, wie sehr man in dieser Situation um die eigene Situation kreist. Und bitte beißt euch eher die Zunge ab, als einem Suizid-Hinterbliebenen irgendwelche Details eines anderen Suizids zu schildern.
Wenn ihr in so einer Situation merkt, dass ihr selbst Nachholbedarf habt und gerne nochmal über den Tod von jemand anderem sprechen möchtet, dann schaut mal, ob es in eurer Nähe Trauerbegleitung gibt. Das hilft!

Trauer

Was gut tut

Ehrlichkeit

Sag, dass du sprachlos bist. Dass du nicht weißt, was du sagen sollst. Und sag, dass du unsicher bist. Damit signalisierst du dem trauernden Menschen, dass du ihm gefühlsmäßig nahe bist.
Du brauchst nicht die perfekten Worte und die beste Formulierung. Diese Situation ist so unbegreiflich, dass niemand Perfektion von dir erwartet.

Umsorgen

Stell einen leckeren Tee hin und -ganz wichtig- erwarte nicht, dass er ausgetrunken wird. Achte dennoch auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme. Bring etwas zu Essen vorbei. Wenn du die Möglichkeit hast, dann friere bereits mehrere kleine Portionen ein. Kümmere dich um Banalitäten wie die Wasserbestellung und dass die Wäsche gemacht wird. So kann sich die trauernde Person ganz auf das Verarbeiten der Krise konzentieren.

Sorge dich um die Gesundheit

Trauernde haben einfach weniger Appetit. Niemand verhungert so schnell. Aber zu wenig Flüssigkeit ist ganz schlecht. Achte darum darauf, dass die trauernde Person ausreichend trinkt. Stelle ihr alkoholfreie Getränke bereit, die sie mag. Sprich es aus, wenn du dir Sorgen machst, weil sie zu wenig trinkt.
Manche Trauernde liegen, wenn die Beerdigung erst einmal vorbei ist und Ruhe einkehrt, sehr lange und dann auch noch regungslos. Hier erhöhrt sich die Gefahr einer Thrombose. Besorge Strümpfe und bitte die trauernde Person, so oft wie möglich ein paar Schritte zu gehen.

Erzähle von der verstorbenen Person oder frag nach ihm oder ihr

Keine Sorge, die Gefahr, dass du die trauernde Person an ihre Trauer erinnerst, ist gering. Sie denkt ohnehin ununterbrochen daran. Und wenn du eine solche Brücke baust, dann hilfst du sehr. Denn darüber reden, hilft, zu verarbeiten.
Also, frag, wann immer deine Kraft es zulässt.

Trauer

Geh mit auf den Friedhof

Auf einer Beerdigung ist die Anteilnahme meist noch sehr groß. Danach wird es schnell weniger. Dennoch wünschen sich viele Trauernde, dass jemand sie begleitet zu dem Ort, an dem sie gedenken – sei es das Grab, die Todesstelle oder ein anderer Ort, an dem sie sich dem Verstorbenen sehr nahe fühlen. Biete an, mitzukommen. Nimm ein extra Päckchen Taschentücher mit. Und, wenn es auf den Friedhof geht, ein paar Feuchttücher. Man buddelt ja doch immer in der Erde herum und dann ist es schön, sich die Hände abwischen zu können.

Guter Rat

Wenn du aus Erfahrung etwas weitergeben kannst, was dir selbst in der Trauer geholfen hat – dann tu es. Sag der trauernden Person, dass dir damals die zwei Wochen im Winter auf Kreta gut getan haben. Erzähl davon, wie du in der Suizidhinterbliebenen-Selbsthilfegruppe endlich das Gefühl hattest, verstanden zu werden.
Hast du keine eigenen Erfahrungen, sondern hast mal gehört oder findest, dass – dann lass das mal stecken. Solche guten Rat-Schläge bekommt die trauernde Person auch ohne dich mehr als genug.

Praktische Hilfe

Hier gibt es unzählige Möglichkeiten abhängig von der Situation und der Person. Du kannst beispielsweise Telefonate abnehmen. Oder organisatorische Dinge wie Nachsendeanträge oder ähnliches. Wichtig ist, dass du es mit dem trauernden Menschen abstimmst und nicht einfach über ihn bestimmst. Denn die Grenze von echter Hilfe hin zur Bevormundung ist hier hauchdünn.

Melde dich. Melde dich. Melde dich.

Und erwarte nicht, dass die trauernde Person es tut. Sie hat nach einer Zeit ohnehin von vielen Seiten das Gefühl, zu nerven und anstrengend zu sein. Ruf an, frag, wie es ihr geht, nimm sie mit zu einem kleinen Spaziergang. In dieser Phase ihres Lebens wirst du diejenige sein, die den Kontakt aufrechterhalten muss. Und es lohnt sich!

TRauer

Sei offen für verrückte Ideen

Meist wissen die Trauernden selbst ganz genau, was sie brauchen und was ihnen gut tut. Ermuntere sie sanft, ihre Wünsche zu äußern. Und ihnen nachzugehen. Vielleicht ist die Idee, genau jetzt Altgriechisch zu lernen, verrückt. Es kann sein, dass die Faszination nach ein paar Wochen nachlässt. Und? Wenn es gut getan hat, dann hat diese Idee doch ihren Zweck erfüllt, oder? Das Motto sollte lauten “solange es nicht schadet, tun wir es!”.

Wenn du dich gerne weiter mit diesem Thema beschäftigen möchtest oder denkst, du könntest mehr Anregungen gebrauchen, dann findest du natürlich jede Menge Literatur dazu. Ich mag das Buch “Keine Angst vor fremden Tränen” von Chris Paul sehr und empfehle es gerne weiter.

Trauer gehört zu unserem Leben dazu und es wäre so wünschenswert, wenn wir uns mehr damit beschäftigen würden. Denn wenn man den Schmerz aushält und durch diese furchtbare Zeit hindurchgeht, ohne sich verstellen zu müssen, dann kann man an so einem Schicksalsschlag wachsen.
Du weißt jetzt, wie du unterstützen kannst. Ich freue mich, wenn du den Artikel teilst, um noch mehr Menschen zu informieren, wie sie gut mit Trauernden umgehen.

* all diese Aussagen wurden mir gegenüber gemacht, als ich die traurigsten Momente meines Lebens durchmachen musste.

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