Deshalb bin ich Silvester so gerne alleine zuhause

Silvester

Warum es rockt, Silvester alleine zuhause zu verbringen

Bald ist es wieder so weit. Da sind Menschen nett zu anderen Menschen, verbringen einen Abend damit, peinlich genau auf die Uhrzeit zu achten, um Mitternacht nicht zu verpassen. Und wenn es dann so weit ist, dann liegen einander fremde Menschen sich in den Armen und wünschen sich irgendwas für die kommenden 365 Tage. Silvester. Genau.

Um Mitternacht alleine in der Dusche

Während dieses Szenario zigtausendfach um mich herum stattfindet, werde ich in meinem fensterlosen Badezimmer in der ebenerdigen Dusche sitzen. Eigens für diesen Tag wird sie mit allen verfügbaren Decken und Kissen  ausgepolstert und der kleine Kühlschrank wird im Bad angeschlossen, damit ich vor Ort bleiben kann. Ja, ich habe ein sehr großes Badezimmer. Und ja, ich bin sehr glücklich darüber, Silvester zu so verbringen.

Denn ich sitze keineswegs im Badezimmer, weil ich traurig oder gar deprimiert bin. Sondern weil es der Raum ist, in dem man kaum etwas von dem Feuerwerk mitbekommt. Denn ich lebe mit zwei Katzen zusammen und die beiden haben große Angst vor der Knallerei am letzten Abend des Jahres. Da wir schon etliche Jahreswechsel miteinander verbracht haben, haben wir im Laufe der Zeit unsere Methoden verfeinert. Und sind letztendlich im Badezimmer angekommen, wo wir die Lieblingsfilme der Katzen anschauen. Währenddessen bereite ich schonmal die Steuererklärung vor oder stricke an einem meiner Socken weiter.

Meine Freunde kennen mittlerweile unsere Gewohnheiten zu Silvester und fragen gar nicht mehr. Ich mag meine Freunde sehr. Und ich feiere gerne mit ihnen. Sie sind lustig, unterhaltsam und ich fühle mich wohl, wenn ich mit ihnen zusammen bin. Dennoch ziehe ich es vor, Silvester alleine zu verbringen. Und ich bin wirklich glücklich, dank der Katzen mittlerweile nicht mehr viel erklären zu müssen.

Silvester war noch nie mein Ding.

Organisiertem Frohsinn wie etwa Karneval oder Betriebs-Weihnachtsfeiern konnte ich noch nie etwas abgewinnen. Silvester fällt für mich in diese Kategorie. Schon als Kind haben meine Eltern mich gegen 21 Uhr unter einem Berg Luftschlangen schlafend geborgen und ins Bett getragen. Meine Mutter erzählte mir, dass sie einmal um Mitternacht an meinem Bett stand. Sie hat mich im Schlaf beobachtet und ist am ersten Werktag des neuen Jahres mit mir zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt gefahren, um meine Hörfähigkeit überprüfen zu lassen. Die war natürlich in Ordnung.  Es war nur dieses angeordnete Fest, das für mich nicht okay war.

In der Studienzeit wurde ich ein paarmal auf Silvesterparties vergessen und wachte dann gegen vier Uhr morgens gut ausgeschlafen in fremden Betten auf. Keine leichte Zeit. Denn probier doch mal, am Neujahrstag um halb fünf Uhr morgens ein Taxi zu bekommen, noch dazu, wenn du nicht mal genau weißt, wie dieser Stadtteil überhaupt heißt.




Später, als alleinerziehende Mutter in der Reihenhaussiedlung, habe ich auf akuten Geldmangel verwiesen und meine Babysitterdienste angeboten, damit ich nicht so ganz allein sei. Diese geniale Methode hat mir nicht nur Ruhe vor Silvesterparties, sondern auch einen ausgezeichneten Stundenlohn gebracht. Und jede Menge Schokolade, Sektflaschen und Kinogutscheine. Denn das schlechte Gewissen der feiernden Familien um mich herum wollte beruhigt sein.

Mittlerweile sind die Kinder groß und ich kann Silvester nach wie vor nichts abgewinnen. Der Nachwuchs weiß das und fragt eigentlich nur noch danach, welche Filme die Katzen dieses Jahr sehen wollen. Dann packen sie ihre Sektflaschen und Hütchen ein und machen sich auf den Weg zu ihren verschiedenen Parties.

Sekltgläser

Warum wundert sich niemand über Menschen, die alle in der selben Sekunde durchdrehen?

Was ich nur zu gut weiß: wären die Katzen nicht, würde ich doch wieder in Erklärungsnot geraten. Denn es wundert niemanden, wie es sein kann, dass Millionen Deutsche exakt zur selben Sekunde in eine merkwürdige Mischung aus Jubel und Rührseligkeit verfallen. Niemand hinterfragt, wie es sein kann, dass wir 133 Millionen Euro für privates Feuerwerk übrig haben und gleichzeitig am Neujahrsmorgen Rentner und verschämte  alleinerziehende Mütter die Stadt nach Pfandflaschen abgrasen – müssen. Es scheint niemandem merkwürdig vorzukommen, gemeinsam mit anderen Menschen einen ganz exakten Zeitpunkt zu erwarten.

Wenn wenigstens der Hauptstadtflughafen um Mitternacht eröffnen würde

Wenn wenigstens noch irgendetwas Aufregendes passieren würde um Mitternacht. Die Eröffnung des BER. Das Comeback von Modern Talking. Oder wenigstens eine motivierende Rede unserer Bundeskanzlerin. Aber es geschieht nichts dergleichen. Es ändert sich einfach nur das Datum. Und in Ermangelung externen Halligallis machen die Partygäste dann halt selber Budenzauber – und umarmen alles, was nicht bei drei in der hoffnungslos verdreckten Partytoilette verschwunden ist.
Das einzige, was Verwunderung bis hin zu offenem Missfallen hervorruft, war und ist mein Wunsch, diesen Abend nach meinem Geschmack zu verbringen.

Die Freiheit trägt Jogginghose

Ich schätze meine selbstbestimmten Silvesterabende sehr. Ich muss mich nicht in irgendeinen Fummel quetschen und hoffen, dass man mir das leckere Weihnachtsessen nicht ansieht. Sondern ich darf mich in meiner Jogginghose und in dicken Socken wohlfühlen. Wenn mir danach ist, zu schlafen, dann tue ich das eben. Ich kann in Ruhe ein Buch lesen. Oder einen ganz schnulzigen Film anschauen und behaupten, dass er die Katzen beruhigt. Das Telefon wird mich eher nicht stören. Alle sind ja am feiern und nach Mitternacht sind die Netze ohnehin überlastet. Wenn man Glück hat, kann man das Schnäppchen des Jahres bei Ebay machen, weil jemand beim Einstellen nicht aufgepasst hat.

Der wunderbare frühe Morgen danach

Und ich liebe den frühen Neujahrsmorgen! Alles, was die Nacht übriggelassen hat, fährt in der U1 hin und her. Es ist still, kaum Straßenverkehr und eine wunderbare friedliche Stimmung legt sich über alle Straßen. Ich gehe jedes Jahr am ersten Tag des neuen Jahres ganz früh in der Stadt joggen und freue mich über einen weiteren freien Tag, den ich mit klarem Kopf verbringe. Später, am Nachmittag, wird das Handy brummen und ich werde matte Stimmen hören, die mir sagen, dass sie mittlerweile zu alt für sowas sind.

Hätte ich ihnen gleich sagen können 😉

Und wenn ihr am Neujahrsmorgen einer gut gelaunten Joggerin begegnet, dann winkt mir doch mal!

Mehr Tipps, wie ihr eure Tiere gut durch den Silvesterabend bringt, findet ihr hier.

Anregungen für ziemlich coole Vorsätze haben wir hier zusammengestellt.

Du hast diesen Artikel gelesen und dich nicht darin wiedergefunden? Bist du am Silvesterabend unfreiwillig alleine? Und sehr, sehr unglücklich darüber? Deine Sorgen kannst du auch am Silvesterabend teilen. Bei der Telefonseelsorge erreichst du rund um die Uhr jemanden, die oder der dir zuhört und dich verstehen kann: 0800/111 0 111.

Egal, wie ihr reinkommt und wie für euch ein richtig gelungener Silvesterabend aussieht: wir wünschen euch ein ganz tolles neues Jahr mit vielen Inspirationen und schönen Momenten!

Und denkt daran, diesen Artikel über eine alternative Silvesterparty mit euren Freunden zu teilen!

Guten Rutsch und ein frohes neues Jahr!

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