Das Leid mit den Flüchtlingen zu Weihnachten | Flüchtlinge und Weihnachten

Weihnachten Flüchtlinge


Ein Land voller Flüchtlinge

Im letzten Sommer hat unser Vermieter beschlossen, die leer stehenden Wohnungen in unserem Haus an Flüchtlinge zu vermieten. Flüchtlinge sind Menschen wie du und ich, die aus ihren Ländern geflüchtet sind auf der Suche nach einem Leben, das besser sein soll als ihr bisheriges.
Wir kennen das alle: dass im Osten zu wenig Ärzte sind, hat mit den ostdeutschen Wirtschaftsflüchtlingen zu tun. Ganze Landstriche in Sachsen sind unbewohnt. Deren ehemalige Einwohner überfüllen nun den öffentlichen Nahverkehr in Köln und München. Außerdem nehmen sie den Westdeutschen die Arbeitsplätze weg, sind schuld am Untergang der guten westdeutschen Kultur und überhaupt sollte man mal was für die westdeutschen Obdachlosen tun. Man, wohlgemerkt, immer schön allgemein bleiben.


An jeder Ecke neue köstliche Essensdüfte

Doch zurück zu unserem Vermieter und seiner Entscheidung.
Welch Glück für diese Menschen, denn so sind sie in einem kleinen Multikulti-Kosmos gelandet. Unser kleine Wohnanlage bietet einen spannenden Querschnitt durch die Kulturen unseres Planeten – sehr bunt, sehr heterogen und ganz ohne Krieg, ohne Anfeindungen. Und wenn im Sommer alle Fenster offen stehen, riecht man an jeder Ecke andere köstliche Essensdüfte.

Und die Familie, die direkt neben uns eingezogen ist, hat uns nicht enttäuscht, wir kennen das Verhalten von vielen anderen Menschen, die nach einer Flucht bei uns gelandet sind. Sie nutzen jede Gelegenheit, die Sprache auszuprobieren, sind mal eben doppelt so höflich wie der Durchschnittsdeutsche und tun so ziemlich alles, um nur nicht negativ aufzufallen. Auch dies in krassem Gegensatz zu denen, die sie hier eigentlich nicht haben möchten.

Ganz langsam schleicht das Weihnachtsfest heran und wir haben überlegt, wie dick wir mit dem Schmuck außerhalb unserer vier Wände auftragen können, ohne für Hardliner-Christen gehalten zu werden. Geeinigt haben wir uns auf eine sehr dezente Variante mit Sternen.  Hübsch anzusehen und festlich, aber nicht allzu penetrant ist.

Heute gab es dann zwei Zwischenfälle, die ich unbedingt mit euch teilen möchte.

Bethlehem liegt doch im nahen Osten, oder?

Das erste war die Frau aus Tunesien, die hier mit ihren zwei Töchtern gelandet ist. Sie hat heute gemeinsam mit ihrer Tochter einen fertig geschmückten Weihnachtsbaum die Treppe hinaufgetragen. Ich habe keine Ahnung, woher sie den haben und warum sie ihn nicht in der Wohnung schmücken. Es wird schon seine Gründe haben.
Aber die Art und Weise, wie vorsichtig sie mit ihm waren, machte deutlich, welche Bedeutung er für sie haben mag.

Und dann kam ich am Abend nach Hause. Zuerst ging ich an der Wohnung der Familie aus Syrien im Erdgeschoss nur vorbei. Die Familie ist muslimisch und so frisch hier, dass sie nur auf englisch kommunizieren. An der Tür war etwas anders als am Morgen. Ganz anders. Deshalb bin ich nochmal zurückgegangen, um mich zu überzeugen.
Ich hatte richtig gesehen. Ein rot-weißer Türkranz, geschmückt mit Kugeln und Schleifchen. Nicht gekauft – selbst gemacht.  Mangelnde Anpassung sieht anders aus. Vielleicht wissen unsere neuen Nachbarn uns mehr über den Sinn von Weihnachten als wir selbst. Vor allem über den Begriff Nächstenliebe.

Mir wurde mein Arbeitsplatz nicht weggenommen. Dabei habe ich sogar einen!

So also sieht der Untergang des Abendlandes aus. Bisher empfinde ich ihn als Bereicherung. Es hat mir auch noch niemand die Arbeit, die Wohnung oder die letzte Milch im Supermarkt weggenommen. Und ich erfülle die wichtigste Voraussetzung. Ich habe eine Arbeit.
Ach, wie gerne würde ich mir nur einen der besorgten Bürger schnappen und ihm diese Weihnachts-Profis zeigen. Ihn in diese freundlichen, mitunter noch etwas mageren Gesichter sehen lassen. Schauen, ob er den interessierten Blicken standhält.
Ist euch auch schon aufgefallen, dass all die bösen Dinge, die Flüchtlinge angeblich tun, immer nur gehört wurden? Mir ist noch nie ein Mensch begegnet, der das selbst erlebt haben will. Wie kann das sein?

Flüchtlinge? Asylanten? Muslime? Christen? Syrer? Mir sowas von egal. Ich bin froh, dass sie hier gut angekommen sind. Dass sie in Sicherheit sind. Unser Land ist so reich, es ist für alle genug da. Und fremde Kulturen werden es noch mehr bereichern.
Denn innendrin steckt immer ein Mensch. Mit Träumen und Wünschen und Abgründen. Hier ebenso wie dort, wie Krieg und Elend herrscht.

 

Herzallerliebste Grüße von der Lari, die in einer großen deutschen Stadt wohnt und auch nach über zwei Jahren Flüchtlingsschwemme ohne Angst nachts auf die Straße geht, kein Pfefferspray mit sich trägt und Menschen nach ihrem Charakter, nicht nach Staatsangehörigkeit oder Religion einsortiert.

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