Abizeit – Stresszeit

Das Abitur verlangt der ganzen Familie einiges ab. Der gesamte Stoff mehrerer Fächer soll parat sein und die erste große Prüfungssituation kommt näher. Der abstrakte Begriff Abistress nimmt auf einmal Gestalt an und hat einen festen Platz im Alltag eurer Familie.
Als Elternteil wirst du dich sicher fragen, wie du helfen kannst, ohne zu übermuttern oder zu bevormunden.  So kannst auch du deinem Kind diese stressige Phase erleichtern:

Der Gesamtüberblick

Zunächst einmal finde ich es ganz wichtig, einen Schritt zurückzutreten und sich die Situation von außen anzuschauen.
Hat mein Kind eine Schulzeit mit viel Mühe hinter sich? Oder ist ihm alles leicht gefallen? Wird es das Abitur nur mit Mühe bekommen? Oder wird es ihm leicht fallen und es arbeitet nur auf einen guten Schnitt hin?
Auch ganz wichtig – haben die Lehrerinnen und Lehrer gute Arbeit geleistet? Oder müssen sie jetzt noch versäumten Stoff nachholen?

Dieser Gesamtblick kann ganz viel Stress wegnehmen – wenn du feststellst, dass dein Nachwuchs nämlich auf jeden Fall das Abitur bekommen wird und anschließend erstmal ein Jahr als AuPair arbeiten geht – dann sprich mit ihm, wenn er sich selbst stresst.

Trenne deine Träume von deinen Kindern

Vielleicht grollst du dir immer noch, weil du dich beim Abitur nicht mehr angestrengt hast. Doch das ist viele Jahre her und dein Kind ist ein komplett anderer Mensch, der eigene Werte, Träume und Pläne hat. Lass dein Kind seine eigenen Erfahrungen -und auch Fehler!- machen. Du kannst gerne davon erzählen, dass du dir heute denkst, du hättest dich damals nur mehr anstrengen müssen. Was dein Kind aus dieser Information macht, das überlasse ihm.
Oder du weißt, wie gut dein Kind in der Schule ist. Du denkst, wenn es noch mehr lernt, bekommt es einen besseren Schnitt. Damit kann es Psychologie oder Jura studieren. Und so reich und glücklich werden. Bitte überprüfe, ob deine Wünsche für dein Kind mit seinen eigenen übereinstimmen. Und dann unterstütze dein Kind in seinen eigenen Wünschen.
Vielleicht wirst du deine Träume verwirklichen, wenn deine Kinder aus dem Haus sind?

 

Sorge für ausreichend Freizeit

Manche Abiturienten vergessen über all dem Stoff, den es zu lernen gilt, völlig, dass es noch ein Leben gibt. Hast du so ein Exemplar zuhause? Bei dem ausser Abistress nichts anderes mehr passiert? Dann sorge für lernfreie Zeiten. Besorge Kinokarten und schick dein Kind mit dem besten Freund oder der besten Freundin in eine Nachmittagsvorstellung. Bestehe darauf, dass Mahlzeiten gemeinsam eingenommen werden. Fordere zu einer Partie Tennis heraus. Oder buche ein Wochenende am Meer oder in den Bergen. Alles, was vom Abistress ablenkt und zur Bewegung anregt, ist wunderbar.

 

Halte weiteren Stress fern

Lass die Zügel bei der Hausarbeit ein wenig lockerer. Versuche, nicht auf jeder einzelnen Pflicht zu bestehen. Die Proteinbiosynthese ist im Moment einfach wichtiger, als pünktlich den Geschirrspüler auszuräumen. Schimpfe nicht über eventuelle Unordnung im Zimmer deines Kindes. Fang nicht ausgerechnet jetzt an, die Wohnung umzugestalten.
Wenn es dir irgendwie möglich ist, dann behalte während der Abiturzeit gewohnte Routinen bei. Wenn alles um dein Kind herum wie immer ist, gibt das Sicherheit.
Aber spiele deinem Kind nichts vor, was unmöglich ist. Wenn während der Abiturzeit jemand schwer erkrankt, dann schafft das vermeintlich rücksichtsvolle Verschweigen nur eine merkwürdige, undeutbare Stimmung.

 

Professionelle Hilfe

Manchmal sind derart stressgeladene Situationen wie das Abitur so groß und mächtig, dass man es nicht alleine schafft. Es kommt vor, dass eine bisher versteckte Prüfungsangst ausbricht. Oder dass jemand so überfordert ist, dass er oder sie sich komplett wertlos fühlt. Achte hier gut auf Anzeichen, dass dein Kind auf einmal “sehr merkwürdig” ist und/oder sich sehr zurückzieht.
Es gibt ausgezeichnete Hilfen bei Prüfungsangst. Und manchmal hilft es schon, einfach nur sein Herz auszuschütten bei jemandem, der genau weiß, ob man gerade verrückt wird oder nicht. Oder wenn einfach nur jemand zuhört, der eher Aussenstehend ist, zum Beispiel die Fachkräfte der Nummer gegen Kummer. Vielleicht magst du deinem Kind ein Zettelchen hinlegen, wenn du dich sorgst?

In jedem Falle: Hausärztin oder Hausarzt hilft hier gerne weiter. Übrigens: auch eine professionelle Massage kann helfen, innere Spannungen zu lösen.

Abistress – ganz bald vergessen

Und was ganz sicher ist: eines Tages ist die anstrengende Zeit vorbei! Und es wird nicht lange dauern, dann wird sich auch dein Nachwuchs melancholisch an den Abistress zurückerinnern – und sich angesichts des Umfangs und der Anforderungen des Studiums sogar dahin zurücksehnen!

 

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